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Deutsch-Eylau zwischen den Weltkriegen
von
Gerhard Templin
Bearbeitung: C. Mühleisen Immer
wieder werde ich über die dreißiger Jahre unserer Heimatstadt
Deutsch-Eylau befragt, vor allen Dingen, wie entwickelte sich die Stadt,
denn wir waren damals Ostpreußen, ein Land für sich, abgetrennt vom
Reich. Nach dem ersten Weltkrieg, aufgrund des Vertrages von
Versailles, war Ostpreußen ein Gebiet für sich. Deshalb baute man längs der
polnischen Grenze starke Militärstandorte in den Städten aus. So kamen
nach Deutsch-Eylau das II. Bataillon mit Regimentsstab des 3.
Infanterieregiments einschließlich 3. Kompanie (damals
Infanteriegeschütz-Kompanie), es waren 850 Soldaten. Sie lagen in der
Blücherkaserne, Yorck- und Hindenburg-Kaserne. Es war damals die
Reichswehr, später kam dann noch die "Alte Infanteriekaserne"
dazu.
Die Soldaten dienten 6 oder 12 Jahre. Es war eine gute
Mischung, bestehend aus Ost- und Westpreußen, Westfalen, Rheinländer
und Badenser. Sie gründeten hier Familien und ließen aus ihrer Heimat
ihre Frauen nachkommen. Es wurden neue Häuser gebaut oder umgebaut. Das
Handwerk blühte auf und jeder hatte Arbeit. Aufgrund eines Planes
von 1932 entstanden neue Divisionen bei der Wehrmacht. So entstanden aus
dem I. R 3 das 1 R 45 und 24. Nach Deutsch-Eylau kam 1935 eine
Panzerjäger-Kompanie und 2 E-Batt. dazu. Die Kasernen waren voll
besetzt. Ein E-Bataillon kam nach Marienburg. das 3. Reg. wurde von
Oberst von Kortzfleisch geführt, der aber bald als Generalmajor
versetzt wurde. Oberst von Reibniz führte dann das Regiment.

Beim
Ehrenmal für die Gefallenen des Infanterie - Regiments
"Freiherr Hiller von Gaertringen Nr. 59
Die
Bevölkerung der Stadt hatte ein gutes Verhältnis zur Wehrmacht. Bei
festlichen Anlässen, die auf dem Sportplatz oder Waldschlösschen
veranstaltet wurden, war die Bevölkerung immer mit dabei. Auch wenn die
Soldaten aus dem Manöver kamen, wurden sie von der Bevölkerung
herzlich begrüßt. Auch der "Große Zapfenstreich" konnte
sich mit dem "Zapfenstreich" der Bundeswehr sehen lassen. Nur
gab es keine weißen Handschuhe, auch Feldparaden waren auf dem großen
Exerzierplatz und viele Veranstaltungen in der Stadthalle.
Fußballspiele gab es immer. Der Verein hieß VFB, bei dem mein späterer
Kompaniechef Hauptmann Dieckmann im Tor stand. Gute Turner waren bei den
Soldaten, die im MTV waren. Eine Militärbadeanstalt mit Kanu,
Segelbooten und auch Eissegelschlitten (schon darüber geschrieben)
waren vorhanden. Wenn im Rheinland Karneval war, fuhr ein Sonderzug dort
hin. Mit Musik ging es zum Bahnhof.

Umzug
mit der Militärkapelle
In den letzten Jahren gingen
die Zwölfender zur Schule, um sich auf ihr Privatleben vorzubereiten.
Wenn die Reservisten entlassen waren, kamen schon neue Rekruten. Abends
hörte man immer die Trompetensignale, wenn sie schlafen gehen mussten.
Ich wohnte gegenüber der Kaserne, deshalb weiß ich über alles genau
Bescheid. Außedem dienten drei Onkel von mir bei den Einheiten.
Im
Sommer marschierte die Kompanie schon morgens mit Gesang zur
Militärbadeanstalt, denn jeder Soldat musste Schwimmen können. Ein-
bis zwei Mal fuhren sie zum Scharfschießen nach Arys. Das Verhältnis
zur Jugend war sehr gut. So wurden wir durch das Jungvolk zum Reiten in
die Hindenburg Kaserne eingeladen. Der Leiter des Reiterzuges, ein
Oberleutnant Wolfram, stellte die Pferde zur Verfügung. So ging es in
der Reithalle immer lustig zu. Man stellte uns auch den K.K.
Schießstand im Keller der Yorkkaserne zur Verfügung, wo wir unsere
Schießübungen machen konnten. Auch bei Sportveranstaltungen auf dem
Sportplatz war die Wehrmacht immer dabei. Das Militär gab der Stadt das
Gepräge und gab der Geschäftswelt einen außerordentlichen Auftrieb.
Den Soldaten, die einmal in Deutsch-Eylau gedient hatten, wird diese
Stadt mit seinen Menschen und der herrlichen Umgebung immer in
Erinnerung bleiben.
Ein Onkel von mir war Stabstrompeter. Er ritt
gleich hinter seinem Hauptmann (Sakowski). Signale wurden damals noch
mit der Trompete geblasen. Er war auch gleichzeitig sein Bursche.
Sonntags sah man die jungen Offiziere in ihren Extrauniformen mit
Blumenstrauß zum Essen zu ihren Liebsten gehen. Am Nachmittag waren die
Seen voller Paddel- und Segelbooten. Wir hatten in den Jahren zwischen
den Weltkriegen ein ruhiges Leben. Es fielen auch keine Bomben auf die
Stadt.
Wie entwickelte sich unsere Heimatstadt? Wir hatten ein
wunderbares Kino mit den neuesten Filmen. Die Jugend hatte überall
Lehrstellen und die Schulen liefen normal.
Treffen einer Gruppe 1941/42
Als 1938 die
Reichskristallnacht war, wurde die Synagoge nicht zerstört. Da in
Deutsch-Eylau auch keine Juden mehr waren, zog dort eine Druckerei ein,
von der wir unsere Schriftstücke erhielten. Ein ausgezeichneter
Stadtbaumeister, Herr Max Radtke, plante und baute viel in
Deutsch-Eylau. So wurden die E.K.S. Siedlung, die Westpreußensiedlung,
Freundshof und Oberwaldsiedlung gebaut. Der Sportplatz, das moderne
Strandbad, die beiden Denkmäler und viele andere Bauten.
Straßenbeläge wurden erneuert. Vieles wurde renoviert, so die
Blücherschule, Stadtschule, Lyzeum und der große Sitzungssaal des
Rathauses, die Stadthalle und der Ratskeller, sowie das
Waldschlösschen. Die neue Uferpromenade wurde gebaut, ebenfalls die
Sägewerke Schlobach, Rotkrug und Seifert erweitert.
Gleichfalls
baute man einen neuen Kindergarten in der Oberwallstraße. Nachdem die
Mittelschule eingegangen war, entstanden dort (Haus Zeimer) eine
Handelsschule und Berufsfachschulen. Die Schulen hatten in Ostpreußen
einen guten Ruf. Eine Haushaltungsschule und Schwesternschule dürfen
nicht unerwähnt bleiben. Als die Flucht begann, war Deutsch-Eylau eine
tote Stadt. Bald nach dem Kriegsende wuchs aus der zerstörten Stadt
neues Leben und sie wurde Vorzeigestadt in Polen.

Generation
der 30er Jahre beim Treffen 1953
Ich links und mein Freund
Klaus Mews rechts erhielten 1944 in unserer PAK 7,5 einen Volltreffer.
Wir waren die einzigen Überlebenden.
Das
Nutzungsrecht der Urheberrechte an den Bildern und Aufzeichnungen von
Herrn Gerhard Templin wurde an Frau Christa Mühleisen übertragen.
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